9: Weltfrauentag

Dear Swiss people,

Ich weiss, ich weiss…Weltfrauentag….mein eigener Fehler, das Internet nicht zwei Tage lang sicherheitshalber zu meiden. Aber um Gottes Willen! Wer schreibt denn so viel Scheiss? Ist es denn so anstrengend, sich nicht als sexistischer Idiot zu outen? Ich entschuldige mich schon mal für die Länge dieses Eintrags.

Gucken wir uns zunächst das tolle „Feature“ an, das sich die liebenswerte Redaktion von watson ausgedacht hat:Fight sexism with sexism

Bildschirmfoto 2015-03-09 um 00.48.36

Also, liebe watson-Leutchen: Euer genialer Plan war also, den Weltfrauentag dazu zu benutzen, Frauen gegeneinander auszuspielen und nach ihrem Wert hierarchisch zu ordnen? Awwww, you shouldn’t have. No, really – You shouldn’t have done that.

Was. läuft. mit. euch.

Als ihr euch überlegt habt „Hey, vielleicht sollten wir mal Frauen ehren, die echt cool sind und recht unbekannt!“, welcher Spacko kam da auf die glorreiche Idee, dass man dafür aber unbedingt auf die anderen Tussen hinweisen muss, die ihren Erfolg nicht verdient haben?Als Beispiel diente natürlich Kim Kardashian. Weiss ja jeder, dass die dumm ist, hmm? Glaubt ihr, dass eure Gehässigkeit einer anderen Frau gegenüber irgendwie weniger sexistisch ist, als nur eine bestimmte Art von weiblicher Prominenz zu repräsentieren? Habt ihr irgendwie den Eindruck, dass Emanzipation nur dadurch erreichbar ist, dass man über die Leichen anderer Frauen steigt? Was ist bitte sonst die Erklärung für den Dreck oben oder diesen Schwachsinn im heutigen Artikel von Redaktorin Simone Meier?

"Alberne Frauen"

Ahja, sie liebt also Frauen. So sehr, dass sie gerne rumsitzt und deren Verhalten beurteilt. Mega lieb. Newsflash: Frauen „zu lieben“ schützt nicht vor internalisiertem Sexismus. Damit kommen auch Machos gerne: „Ich bin kein Chauvi! Ich liebe Frauen!“. Es hat überhaupt nichts mit Respekt oder Feminismus zu tun, andere Frauen runterzuziehen. Ob Daniela Katzenberger eine gute Mutter wird? Was geht mich denn das an? Stimmen wir jetzt darüber ab, wer sich fortpflanzen darf oder was? Und ihr beim Kinderaufziehen zuschauen wollen wir? Also haben wir jetzt doch nichts dagegen, dass Frauen wie sie berühmt sind. Sehr verwirrend das Ganze. Aber man kann wohl nicht viel erwarten von einer Frau, die auch für diese Schlagzeile verantwortlich zeichnet:

"Topschlampe". Classy.

Wenn das nicht Feminismus ist, weiss ich auch nicht mehr. Leute, haben wir wirklich immer noch nicht gecheckt, dass es absolut widerlich ist, andere Frauen als Schlampen zu bezeichnen? Und dann noch nicht mal für ihre Promiskuität, sondern dafür, dass sie mit ihrer Sexualität Profit machen. Witzig, dass dafür die Frauen verteufelt werden. Ob Gina-Lisa, Daniela oder Kim – Frauen, die Geld mit ihrem Aussehen machen, sind also zu verurteilen. Aber woher kommt das Geld denn? Wer macht diese Frauen denn berühmt? Woher kommt diese Verachtung weiblicher Sexualität und Autonomie? Etwa vom Patriarchat? Nee, das ist ja eh alles ein Mythos. Frauen unterdrücken sich gerne selber. Ist es nicht unglaublich, dass Frauen, die von unserer sexistischen Gesellschaftsordnung zu profitieren versuchen, eine derartige Verachtung entgegenschlägt? Es waren nicht Frauen, die diese Ordnung errichtet haben. Und solange es keine anständige weibliche Solidarität gibt, werden es wohl auch nicht Frauen sein, die sie zu Fall bringen werden.

Fehlschlag auf ganzer Linie, verehrtes watson-Team.

5 Kommentare

  1. […] Dieses Lichtlein kommt nach einem furchtbaren Wochenende mit widerlicher Berichterstattung über Weltfrauentag und die Zuger-Affäre in Form von Yvonne Feri (SP) und ihrem wundervollen Artikel auf […]

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  2. […] Das Problem ist nicht neu und auch nicht originell. Schwule Männer können genau so gut sexistisch sein, wie Frauen rassistisch oder Schwarze transphobisch. Und gerade Frauen tragen ihre internalisierte Diskriminierung auch gerne in die Welt und sichern so deren Weiterleben, indem sie anderen Frauen alles andere als solidarisch gegenüberstehen, siehe Michele Binswanger oder Simone Meier. […]

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  3. […] einer einzigen Frau den Feminismus um Jahrzehnte zurückwerfen soll, oder dass wieder “Germany’s Next Topschlampe” gesucht wird, oder man liest davon, wieviel Hass einer Frau in der Öffentlichkeit entgegenschlagen […]

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  4. […] Meier, die uns ja schon bekannt ist aufgrund ihren abscheulichen Äusserungen zum Thema Weltfrauentag und “Germany’s Next […]

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  5. […] wissen ja mittlerweile, was Watson-Redaktorin Simone Meier von ihren Geschlechtsgenossinnen hält (nicht viel) und wie souverän und sensibel sie mit LGBTQIA-Themen umgeht […]

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