43: Würde der Frau, my ass

Dear Swiss people,

Die Würde der Frau ist in Gefahr. IN GEFAHR, sag ich euch. Also, eigentlich sagt das Bettina Weber vom Tagi, die uns ja bereits einschlägig bekannt ist.

Und was gefährdet diese Würde der Frau jetzt nun? Pornografie? Lohnungleichheit? Miss Schweiz Wahlen? Neeeeein, natürlich nicht. Das sind ja alles Merkmale des westlichen, spätkapitalistischen Patriarchats. Gutes Zeug, also. Nicht bedrohlich für unsere Würde.

Nein, natürlich ist es DER ISLAM. Nicht etwa der Islam, das ist nicht schröcklich genug. Es ist DER ISLAM. Darauf muss ich bestehen. Aus Gründen der Dramatik. Wie uns DER ISLAM diesmal bedroht? Ganz einfach: Indem ein „strenggläubiger Fussballer vor laufender Kamera die Würde einer Frau“ verletzt. „Unerträglich“, ist das. Dieser unverschämte Mensch namens Nacer Barazite hat sich nämlich geweigert, einer Journalistin die Hand zu schütteln. Sowas!

Bildschirmfoto 2015-11-06 um 20.05.34

Okay, das klingt jetzt etwas antiklimatisch. Nach so einer Schlagzeile erwartet man ja eigentlich schon, dass er sie mindestens begrabscht oder wenigstens doch zu steinigen versucht hat. Aber glaubt mir; dieser verweigerte Handschlag, der schlägt dem Fass den Boden aus. Da lässt man diese Ausländer ins Land, gibt ihnen Jobs als Fussballspieler und dann weigern sie sich einfach, ihnen unbekannten Frauen die Hand zu schütteln, um ihr nicht zu nahe zu treten.

Jup, diese Kleinigkeit hat Frau Weber freilich unterschlagen: Gläubige Muslime – wie übrigens auch orthodoxe Juden ( man fragt sich glatt, ob Frau Weber den gleichen Aufstand bei einem jüdischen Fussballer gestartet hätte) – schütteln, besonders wenn sie verheiratet sind, fremden Frauen nicht die Hand und vermeiden auch sonstigen Körperkontakt, da es sich nicht gehören würde. Man muss schon sehr verquer sein, um Diskriminierung darin zu finden, dass Männer ihnen unbekannte Frauen nicht einfach antatschen. Meiner Meinung nach könnten sich einige Einheimische, die sich gerne im vollgepackten Tram an jungen Frauen vorbeiquetschen und ihnen dabei an Arme, Taille oder Hüfte fassen, eine Scheibe von abschneiden. Ich würde es eher als Affront deuten, dass die Journalisten Barazite trotz der vorhergehenden Szene am Arm fasst, seine persönlichen Wünsche also ignoriert. Besonders, wenn sich rausstellt, dass der Fussballklub alle Journalisten vorher gebeten hat, die Wünsche seiner muslimischen Spieler zu respektieren. Dementsprechend war die Reporterin informiert und keinesweges empört über die Reaktion ihres Interviewpartners. 

Aber neeeein, Frau Weber deutet den verweigerten Handschlag doch lieber als Boykott der armen Journalistin. Dieser Muslim würde sicher auch keine weiblichen Chefs akzeptieren.  Was total Sinn ergibt, da er ja augenscheinlich kein Problem damit hat, mit der Journalistin ein Interview zu führen. Und laut Spiegel Online stellen selbst weibliche Physiotherapeuten kein Problem dar.

Wenn ich gewusst hätte, wie beleidigt ich von der religiösen Sitte meiner Mitmenschen sein sollte, hätte ich natürlich auch meinen guten Bekannten muslimischen Glaubens, der seit seiner Heirat keine Frauen ausser der eigenen und den mit ihm verwandten  mehr umarmt, sofort von Facebook gelöscht, als er darum bat, diese Prinzipienfrage nicht als persönlichen Affront zu werten.

Ich hätte ja wissen müssen, dass er mich und alle anderen Frauen damit nur demütigen wollte. Genau wie Barazite.

Und weil, wie bewiesen, der Herr Barazite Frauen nicht mag, ist er, laut Weber – AND I SHIT YOU NOT – ein „Rassist“:

„Wer meint, seinem Gegner den Handschlag verweigern zu können, sei es wegen dessen sexueller Orientierung, Hautfarbe oder eben Geschlecht, ist ein Rassist. Rassismus ist immer hässlich. Und immer und unter allen Umständen inakzeptabel.“

Liebe Frau Weber. This is not how it works. This is not how ANY OF THIS WORKS. Es gibt schon absichtlich verschiedene Begriffe für Rassismus und Sexismus, auch wenn es natürlich Überschneidungen und Beeinflussungen gibt (goooglet mal Misogynoir). Wenn man sich schon verhetzenden Unsinn aus den Fingern saugen muss, dann doch bitte mit anständiger Terminologie und einem Hauch von Kohärenz.

Nachtrag: Aufgrund der Reaktionen, die ich erhalten habe, bin ich verblüfft/amüsiert, wieviele Leutchen prompt zu radikalen Feminist_Innen mutieren, wenn es darum geht, die eigenen (sprich weissen, christlichen) Frauen vor DEM ISLAM zu beschützen. Meine Lieben, wo seid ihr denn bitte, wenn nicht die bösen Fremden die Würde der Frau mit Füssen treten, sondern ihr selber?

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