49: „Wer will Homo-Eltern“?

Dear Swiss people,

(HINWEIS: Der ursprüngliche Text auf der SRF Website wurde mittlerweile kommentarlos abgeändert. Er bleibt scheusslich und Besetzung ist natürlich auch unverändert. Unten findet ihr einen Screenshot der Cache-Version des Originaltextes.)

 

Der geneigte Zuschauer musste sich in der Vergangenheit schon viel von der SRF Arena gefallen lassen. Kriegstreiber, Neo-Faschos, Impfgegner; sie alle kommen unter der Leitung des launisch-inkonsequenten und völlig autoritätslosen Moderator Jonas Projer ausgiebig und ungestört zu Wort. Ihre Gegner? Eher nicht. Ich habe mir lange Zeit Mühe gegeben, Projer gute Absichten zu unterstellen, und seine Versuche, die Kontrolle über „seine“ Sendung zu erhalten, stets gelobt.

 

Und das war weiss Gott nicht immer leicht.

Es war nicht leicht, als Projer das Prinzip von Gerechtigkeit dahingehend interpretierte, dass, wenn eine Seite Applaus erhielt, auch die andere sofortigen Anspruch darauf hatte. Es war sehr, sehr schwierig, als Projer sich entschoss, dem völlig isoliert stehen Luzi Stamm mehr Redezeit als allen anderen zuzugestehen, nur weil dieser eine (unhaltbare, unerklärliche) Minderheitsmeinung vertrat.Es war nahezu unmöglich, als wir uns mit ansehen mussten, wie Projer in völliger Respektlosigkeit seinen geladenen Experten Prof. Dr. Freiburghaus immer und immer wieder mit einem „Sie laufen jetzt nicht schon wieder weg oder?“ unterbrach und den Mann nur weiter in seine Frustration hineintrieb.

 

 

Trotz all dieser Vorfälle hatte ich gedacht/gehofft/gebetet, mit Verena Herzogs histrionischem Auftritt zum Thema Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare („ABER DIE KINDER! DIE KINDER!!!!!!!“) wäre für die Arena der Gipfel der unhinterfragten, ungescholtenen Homophobie erreicht.

Weit gefehlt. Und diesmal reicht es mir nicht, mir von Projer Besserung zu erhoffen. Diesmal wird das Produktionsteam die eigenen Fehlschläge nicht hinter der Abscheulichkeit einiger ihrer Gäste verbergen können.

Diesmal will ich Köpfe rollen sehen.

 

 

Aufgepasst; wer den Infotext zur morgigen Arena-Sendung noch nicht glesen hat, wird in kürzester Zeit Gift und Galle spucken:

Bildschirmfoto 2016-03-10 um 15.58.32

Homo-Eltern? HOMO-ELTERN? Sind die Verantwortlichen noch ganz bei Trost? Wer bitte segnet so eine Formulierung ab? Abgesehen davon ist es widermal typisch, das Label „homo“ auf ein Problem zu klatschen, dass auch Bisexuelle/Pansexuelle/Asexuelle/Transmenschen etc. betrifft. Stellt euch vor: Sexualität und Kindererziehungsstil sind nicht kausal miteinander verbunden. Und die Frage allein ist schon unverschämt. Müssen wir uns jetzt melden? Ist das eine Frage der Interessensgruppen? Dann würde mich mal interessieren, wer bitte bigotte, homophobe Eltern will. Ich sicher nicht. Aber das ist natürlich nicht das einzig Widerwärtige an diesem Text.

 

  1. Newsflash, meine Lieben: Kinder werden schon seit absolut immer nicht einfach von einer Mama und einem Papa grossgezogen. Sondern mitunter von der ganzen Sippe, von einer Kinderdame, von der Grossmutter, von Alleinerziehenden, von Adoptiv- und Stiefeltern, von älteren Geschwistern oder auch vom Staat. Wer die Dreistigkeit besitzt, etwas anderes zu behaupten, disqualifiziert sich selber völlig für eine Teilnahme an dieser Diskussion.

 

  1. „Bei aller Toleranz“? Erstens gebe ich einen Dreck auf Toleranz. Toleranz ist grade eine Stufe über Duldung und gesetzestreue Mitmenschen haben nicht auf die „Toleranz“ des Volkes zu hoffen, die ist man ihnen schuldig. Und wie tolerant ist man denn hier, bitte? Ist es schon der äusserste Grad, Homosexuelle nicht in absolut allem zu diskriminieren? Zu mehr ist diese Gesellschaft nicht fähig? Ja, dann sollten wir uns wohl Ehegleichheit, Adoptionsrecht, Leihmutterschaft und Blutspenden direkt abschmieren. Man will die Gutmütigkeit ja nicht ausreizen.

 

 

Was die Produzenten der Sendung inklusive Projer nicht zu verstehen scheinen, ist, dass die offene Wiederholung abscheulicher, menschenunwürdiger Rhetorik nicht neutral oder objektiv ist. Die Frage, ob „homosexuelle auch gute Eltern sein können“ ist keine unschuldige Frage sondern eine Unverschämtheit. Tut mir den Gefallen und stellt doch direkt die dem zugrunde liegende Frage: Können Homosexuelle gute Menschen sein?

 

 

Allein die Auswahl der Gäste zeigt, wie wenig neutral und ausgewogen das Ganze ist:

 

  • SVP-ler Sebastian Frehner tat sich in der Vergangenheit mit Äusserungen darüber hervor, dass Homosexuelle aufgrund ihrer „fehlgeleiteten Hirnlappen“ abnormal seien.

 

Erklär mir bitte einer, welcher verantwortungsvolle Diskussionsleiter diesen Leuten im öffentlichen Fernsehen eine Plattform gibt? Inwiefern haben diese Männer, die allen gleichgeschlechtlich Orientierten von vornherein die Menschlichkeit aberkennen, irgendeine Berechtigung, an dieser Diskussion Teil zu nehmen?

Ich weiss ja, dass nicht alle in diesem Land so viel auf Menschenrechte geben, aber es ist für mich unerträglich, dass man in dieser wohl grössten Diskussionssendung nicht einmal Mindeststandards von Anstand und Vorkenntnissen haben muss, um sich über ein Thema zu äussern.

 

Auf der Seite der nicht Abscheulichen finden wir:

 

Dass die Diskussion darauf angelegt wird, ist leicht zu sehen, heisst es doch im Text:

Alles für alle und jeder mit jedem! Echt jetzt?

(…)

Und wie weit dürfen wir als Gesellschaft in diesen Fragen noch gehen: Kommt gar bald die rechtlich anerkannte Polygamie?

 

Ja, ganz meine Meinung: „echt jetzt“? Jeder mit jedem? Ernsthaft, so eine unverhohlene Anspielung auf Promiskuitätsvourteile gegenüber Homosexuellen und das berühmte Argument der „Salami-Taktik“ haut man einem hier schon in der Beschreibung um die Ohren? Schämt euch. Was bitte hat Ehegleichheit mit Polygamie zu tun? Und was bitte sind diese Werte, diese feste Ehedefinition von der bestimmt wieder geschwafelt werden wird? Diese Art von Geschichtsklitterung, die Zwangsverheiratung, Kinderehen, Konkubinat, Eherecht nur für Grundbesitzer und viele andere Aspekte des Werdegangs dieser Institution einfach ignoriert und ausblendet hat keine Daseinsberechtigung bei dieser Diskussion.

 

Es ist völlig klar, dass dieses Aufgebot schon gezinkt ist. Zwei völlig unvernünftige Angstmacher mit Hang zum Wissenschaftsmissbrauch werden hier losgelassen. Es ist schon eine Schande, diesen Personen überhaupt eine Einladung auszusprechen.

 

Und wer wurde eingeladen, diesem Wahn zu entgegnen?

Wo ist die Einladung der Präsidentin des Vereins Regenbogenfamilien, SP-Mitglied Maria von Känel, die bei früheren Sendungen zum Thema gerade mal im Publikum sitzen durfte? Wo  Bastian Baumman als Diskutant, Geschäftsleiter des Pink Cross und Präsident der It Gets Better Kampagne der Schweiz, der bereits einmal als Experte geladen war? Wo sind sie, diese respektierten und grossen Rhetoriker? Nichts gegen Bertschy und Portmann, doch die grossen Galionsfiguren der Bewegung sind sie nicht.

 

Ich weiss, viele von euch schauen diese Sendung nicht. Wahrscheinlich auch häufig aus dem Grund, dass das bigotte Gequatsche schwer zu ertragen ist und die Grafiken absolut lächerlich sind. Aber wir dürfen solche Kulturphänomene nicht unterschätzen. Diese Sendung gibt sich als Abbild des öffentlichen Diskurses aus. Diese Leute behaupten, dies sei eine Repräsentation unserer Gesellschaft.

Wir können es uns nicht leisten, diese rückständige mediale Inszenierung zu ignorieren. Es ist nötig, die betroffenen „Meinungsmacher“ zur Verantwortung zu ziehen.

 

Tut mir den Gefallen; Schaut die Sendung an. Und wenn ihr Dinge hört, die ihr nicht ertragen könnt und wollt, dann seid laut, beschwert euch auf Facebook, Twitter (#srfarena), per E-Mail oder meinetwegen per Brieftaube.

Lasst die Verantwortlichen dieses „öffentlichen“ Rundfunks wissen, dass sie nicht für die Öffentlichkeit sprechen. Sie sollen wissen, dass wir nicht hinter ihnen stehen und dass wir diese entwürdigende Hetze nicht weiter dulden.

 

Hoffentlich bis morgen, #srfarena.

 

Hier die Cache-Version:

Bildschirmfoto 2016-03-10 um 17.42.42

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