35: Tasteless Tuesday II

Dear Swiss people,

Wieder ein Dienstag, wieder ein Haufen von Geschmacklosigkeiten.

1. NZZ: Rassistisch motivierter Mord wohl kaum rassistisch

Langer Rassismus

Pony M NZZ FB

Über dieses Machwerk von NZZ-Journalistin Marie-Astrid Langer haben sich bisher schon einige mehr als zurecht aufgeregt, und das auch sehr ausgiebig. Wie Langer auf die absolut schwachsinnige Aussage kam, Rassismus führe selten zu Mord und überhaupt liesse sich ja schwer sagen, und hate crimes wären ja eh mehr so ein Nischenphänomen, bleibt wohl für immer ein Rätsel. Wo hier die Verantwortung der Redaktion blieb, fragt sich unter anderem Yonni Meyer, aka Pony M. Obwohl Meyer es anscheinend grundsätzlich ablehnt, die Arbeit anderer zu kritisieren, weil das ja schliesslich von oben herab ist und keine Arbeit und sicher nicht nützlich für irgendwas ist, irgendetwas in Frage zu stellen, hat sie sich an dieser Stelle erbarmt und eine sehr ausführliche und, wie ich meine, umfassende Kritik verfasst, die hier nachzulesen ist.

2. Überschriftswahnsinn beim Tagesanzeiger

ins Bett gebracht

Schändung

Finde den Unterschied. Also erstmal hat der Mann das Opfer nicht „ins Bett gebracht“. Es sei denn, einem Kind eine Gute-Nacht-Geschichte vorzulesen und es dann lieb zu zudecken entspräche dem Tatvorgang der Betäubung und anschliessenden Vergewaltigung, die nunmal auch in einem Bett vorfiel. Wie man das für einen angemessenen Euphemismus halten konnte, ist mir unbegreiflich. Ausserdem hat der Täter nicht „Sex mit ihr gehabt“, sondern sie vergewaltigt. Und ja, die Wortwahl ist wichtig. Ein bewusstloser Mensch kann ohne Einverständnis nicht mit jemandem Sex haben, sondern ihm oder ihr kann allenfalls sexualisierte Gewalt angetan werden. Um nochmal das Zitat aus dem Strangelove-Artikel anzubringen: „If somebody hits you with a shovel you wouldn’t call that gardening“.

Warum diese verrückte Diskrepanz zwischen diesen beiden Aufmachern? Unsaubere Nachbesserung oder allgemeine Schlampigkeit?

3. NZZ: Feminismus ist doof. Aus Gründen.

Schumacher Feminismus

Wieder ein Goldstück der NZZ am Sonntag. Top-Journalistin Claudia Schumacher, bekannt aus dem Heinzmann-Inzest-Skandal, widmet sich diesmal dem Thema Feminismus. Schumacher gräbt dafür wieder die Artikel von Ronja von Rönne aus, die vor einigen Wochen mit ihren Vorbehalten dem Feminismus gegenüber für Aufregung sorgte. Im Gegensatz zu Rönne, die sich im Anschluss daran Gedanken machte und zu dem Schluss kam, womöglich sei sie da etwas voreilig gewesen, bleibt diese Art der Erkenntnis hier leider aus.

Schumacher postuliert die Existenz zweier Frauengruppen; „Neohausfrauen“ und „Einzelkämpferinnen“ und schliesst daraus messerscharf, dass diese beiden im ewigen Kampf miteinander stehen und der Feminismus gar nicht will, dass Frauen glücklich sind, weil er dann nicht mehr nötig wäre.

Ja nee, is klar. Deswegen wollen ja auch die Anti-Rassismus-Bewegungen nichts lieber, als dass noch mehr Schwarze auf offener Strasse erschossen werden. Was finge man denn sonst mit seiner Zeit an? Das völlig unreflektierte Feminismusbashing, das sich im Wesentlichen darauf beruht, dass da doch etwas dran sein müsse, wenn eine hippe, junge Autorin wie von Rönne da nicht mitmachen wolle, ist ein absolutes Highlight für Leute mit niedrigem Blutdruck.

2 Kommentare

  1. Einmal mehr eine lesenswerte Hinterfragung von Gender- und Rassismusthemen die unsere Medien durchkreisen. Und, NEIN, echt?? – da gibt es Blogs die sich anmassen ihre Meinung von OBEN herab UNTER die Meinung einer Journalistin (die weibliche Form schliesst die männliche nicht aus) zu setzen???? Die Menschen hinter diesen Blogs haben wohl noch nicht begriffen, dass wir hier im Zeitalter der Spezialisierung und Fachkräfte leben. Also nochmal für alle: Da gibt es die, die dafür bezahlt werden sich Meinungen zu bilden und sie zu verkünden (immer plakativ und mehrheitstauglich versteht sich, es geht ja ums Geld) und dann gibt es die, die deren Meinungen übernehmen, folgen und liken. Diese zwei Kategorien also bitteschön nicht vermischen – Basisdemokratie hin oder her – wo würden wir da enden, wenn eine jede (die weibliche Form schliesst die männliche nicht aus) meint, sie müsse alles hinterfragen, sich ihre eigene Meinung bilden und die zu allem Übel auch noch von OBEN herab UNTEN dransetzen…?

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  2. […] Ziel abweichen. Ich weiss, dass Meyer und andere Journalisten nicht viel von Leuten halten, die „andere auseinander nehmen, anstatt selber was zu schaffen.“ Ich vertrete allerdings die feste  Meinung, dass kritisches Lesen und ein bewusster Umgang mit […]

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